Museum Uranbergbau
Traditionsstätte des Sächsisch - Thüringischen Uranerzbergbaus
 
Ansprache zum Bad Schlemaer Bergmannstag

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Bergkameradinnen und Bergkameraden,

als Vorsitzender des Sächsischen Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine  ist es mir eine Ehre heute die Ansprache zum ehrenden Gedenken der Bergleute der Wismut, welche in Folge von Unfällen und Berufskrankheiten ihr Leben verloren, zu halten.

Wenn wir uns heute zum 23. Mal am Ehrenhain treffen und der verstorbenen Bergkameraden gedenken, kann man schon von einer Tradition sprechen. Und bergmännischen Traditionen fühlt sich der Sächsische Landesverband der Bergmann-, Hütten- und Knappenvereine in besonderem Maße verpflichtet.

Diese bergmännischen Traditionen sind ein sinnbildliches Band, welches von unseren Vorfahren bis zu uns in die heutige Zeit reicht. Sie sind im Ergebnis der aktiven Auseinandersetzung mit der Arbeitswelt der Berg- und Hüttenleute entstanden.

Ihnen wird vielleicht das Bergwerksfest im Plauenschen Grund vor 300 Jahren ein Begriff sein.  August II. Kurfürst von Sachsen und König von Polen verheiratete damals  seinen Sohn Friedrich August mit der  österreichischen Erzherzogin Maria Josepha.  August der Starke, welcher sich gern mit Pracht und Pomp umgab wollte dem Adel Europas seinen unvergleichlichen Reichtum und Glanz demonstrieren.

Im Wissen, dass der Bergbau des Erzgebirges die Grundlage für jenen Glanz und den politischen Einfluss Sachsen war, organisierte er auch ein Bergwerksfest. Höhepunkt dieses Festes war ein prachtvoller Bergaufzug.

Dazu kamen fast 1300 Bergleute der verschiedensten Gewerke aus dem ganzen Erzgebirge nach Dresden. Sie zeigten während des Aufzuges, wie das Silber aus dem Berg gewonnen, wie es gepocht, geschmolzen und schließlich zu Talern geschlagen wurde.

Manch einem Höfling offenbarte sich dabei zum ersten Mal der Preis, welcher für das Leben in Wohlstand und Glanz zu zahlen war. Sie mussten erkennen, dass es nicht Heroisches oder gar Heldenhaftes war, was den Glanz Sachsen begründete, sondern schwerste körperliche Arbeit von Bergleuten in Dunkelheit, Nässe und Enge,  sowie schwere und gesundheitsschädliche Arbeit in den Hütten und Aufbereitungsbetrieben.

Die Folge für die Berg- und Hüttenleute waren Krankheit und ein früher Tod. Und trotz allem, es fanden sich immer wieder Männer und Frauen, welche bereit waren, dem Gebirge die edlen Erze zu entreißen und diese aufzubereiten. Es war die Hochachtung und auch Privilegien, welche der sächsische Berg- und Hüttenmann erfuhr. Er war der Schöpfer des Wohlstandes der Gesellschaft und  mit seiner schweren Arbeit verdiente er den Lebensunterhalt für seine Familie.

Vor allem die harte Arbeit unter Tage war  nur zu bewältigen, wenn sich der Bergmann auf den Kameraden neben sich unbedingt verlassen konnte. Diese bedingungslose Kameradschaft war es, die die schwere Arbeit und manche Entbehrung erträglicher machten.

Seinen Berufstand feierten er und seine Kameraden nun seit 300 Jahren mit  eindrucksvollen Bergparaden, bei welchen er in festlich geschmückter Arbeitstracht aufzog und vom Ruhm des sächsischen Bergbaus zeugte.

Traditionen entstehen in der aktiven Auseinandersetzung mit der Arbeitswelt. Ob dies jenen Bergleuten der Wismut bewusst war, als sie sich entschlossen am Vortag des 8. Deutschen Bergmannstages in Schneeberg den Ehrenhain für die verunglückten und  zu Tode gekommenen Bergleute hier am ehemaligen Schacht 250 einzuweihen?

Dies geschah doch zu einer Zeit, als die Geschichte Uranbergbaus sehr umstritten und mit Vorbehalten belastet war. Einer Zeit, wo es einfacher war sich wegzuducken, wenn unsachliche und falsche Berichte über die Geschichte des ostdeutschen Uranbergbaus verbreitet wurden, als für eine sachliche Auseinandersetzung mit der Geschichte zu plädieren.

Viele tausend Bergkameraden aus den deutschen Bergrevieren feierten im Juli 1996 ihren Berufsstand in Schneeberg und nutzten die Möglichkeit Schlema zu besuchen.  Sie interessierten sich für den bis dato so geheimnisumwitterten Uranbergbau, für den Staat im Staate. Sie konnten sich vor Ort ein erstes Bild machen. Was würden sie wohl heute bei einem erneuten Besuch in der nun sanierten Bergbaulandschaft empfinden?

An jenem Tag waren am neuen Ehrenhain auch Bergkameraden anwesend, welche achtungsvoll als Wismut Adel bezeichnet wurden. Es waren jene, deren niedrige Personalnummer davon zeugte, dass sie zu den Ersten zählten, welche den schwierigen Neubeginn des Bergbaus im Erzgebirge in Angriff nahmen. Welche die unsäglich schwierigen und auch gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen meistern mussten. Die nach der schweren Schicht ein warmes Mittagessen erhielten, was sich so gänzlich von dem unterschied, wie wir es heute kennen. Süße Nudeln, Haferschleim oder Kälberzähne, ein Gräupcheneintopf, mussten genügen.

Viele von Ihnen waren vom verheerenden Krieg gezeichnet und hatten die bittere Erfahrung gemacht, die Heimat zu verlieren. Sie waren als Vertriebene oft nur geduldet, auf keinem Fall willkommen. Mussten mit Ihren Familien in jämmerlichen Verhältnissen leben und hatten oft auf der Flucht ihre persönlich Habe verloren.

Und so waren viele von Ihnen bereit, den schweren Beruf des Bergmanns auszuüben, um für die Familie ein anständiges Leben zu gewährleisten. Nicht Ruhm und Ehre, sondern die Not trieb die Menschen in den Berg. Man schob Sonderschichten und arbeitete an Feiertagen für Talons, Bezugsscheine für Kleidung, Schuhe und Bettwäsche.

Begehrt waren die Stalinpakete, welche für damalige Zeiten eine enorme Nahrungsmittelmenge darstellten. Und natürlich war auch der Fusel wichtig, oft auch nur als Tauschwährung. Sie gingen also nicht zuerst für den Weltfrieden zur Wismut, sondern aus der Not heraus.

Schon in den frühen Anfangsjahren erfuhren die neuen Bergleute von alten, eingesessenen erzgebirgischen Bergleuten etwas über Sitten und Gebräuche. Ihnen wurde vermittelt, dass die bedingungslose Kameradschaft der Bergleute untereinander über Leben und Tod entscheiden konnte.

Der Brauch des Metteschicht wurde ab 1947 im Schneeberger und Johanngeorgenstädter Bergrevier wieder belebt. Bei solchen Zusammenkünften konnten die Zugezogenen den Erzählungen der alteingesessenen Bergleute und Steiger lauschen, erfuhren vom Rum und Glanz des Sächsischen Bergbaus.

Jene, die blieben und die Anforderungen des Bergbaus meisterten bekannten sich Stolz:  „Ich bin Bergmann!  Wer ist mehr?“

Anfang der 50er Jahren änderte sich das Betriebsregime. Arbeits- und Gesundheitsschutz wurden entwickelt und durchgesetzt. Eine fundierte Berufs- und Ingenieurausbildung bildeten die Grundlage dafür, dass die späteren Herausforderungen des Bergbaus in großen Tiefen bewältigt werden konnten. Was man damals noch nicht ahnte, die sehr gute Ausbildung sollte auch die Grundlage für spätere die Sanierung der Bergbaufolgelandschaft sein.

Und trotzdem musste man erfahren, dass der Berg auch bei moderner Technik immer seinen Tribut verlangt. Vor allem der Grubenbrand im Jahre 1955 sollte dies bewusst machen. Aber auch bei diesem schweren Unglück rettete Kameradschaft und Opferbereitschaft so manches Leben. Grubenwehrmänner fuhren unter Lebensgefahr ein und setzten alles daran, ihre Kameraden zu retten.

Diese Opferbereitschaft, das Leben für den Kameraden zu wagen  beeindruckte viele Menschen in jener Zeit und ist bezeichnend für das Berufsethos des erzgebirgischen Bergmanns. Die Namen der Toten werden über alle Zeiten davon künden, was es heißt, ein Bergmann und ein Grubenwehrmann zu sein.

Die Tradition des Uranbergbaus wurde vor 23 Jahren neu begründet. Viele der damals Anwesenden haben ihre letzte Schicht verfahren.  Heute gilt es Ihr Andenken zu bewahren.

Die Tradition und die Geschichte des Uranbergbaus sind  untrennbarer und wichtiger Bestandteil der einmaligen Bergbaugeschichte des Erzgebirges und just an diesem Wochenende wird über den Welterbe-Titel Montanregion Erzgebirge auf der Sitzung des Welterbekomitees in Aserbaidschan entschieden. Ein positiver Bescheid wird eine Würdigung des gesamten sächsischen Bergmannsstandes darstellen.

Glück Auf!